Warum Lärmauflagen?

Kaum ein Thema wird heißer diskutiert als die Lärmauflagen, die auf immer mehr Strecken eingeführt und verschärft werden. Im Folgenden informieren wir dich über die wichtigsten Fakten und zeigen, welche Maßnahmen auf welcher Strecke zu treffen sind, um die Lärmauflagen einzuhalten. Rennstrecken benötigen eine Betriebsgenehmigung. Diese Betriebsgenehmigung regelt, was zulässig ist und was nicht.

Lärmauflagen sind behördliche Auflagen – keine Auflagen, die sich die Strecke oder gar ein Veranstalter willkürlich überlegt, um irgendwen zu ärgern! Ist die Betriebsgenehmigung weg, gibt es gar keinen Fahrbetrieb mehr. Daher müssen alle Beteiligten – vom Teilnehmer über den Veranstalter bis zum Streckenbetreiber – alles dafür tun, dass die Betriebsgenehmigung nicht gefährdet wird. Unser aller Interesse muss also sein, die behördlichen Lärmauflagen einzuhalten, um die Zukunft unseres Sports zu sichern – einige wenige Überschreitungen können uns allen schon sehr bald echte Probleme bereiten!

Noch ein Wort zu den sogenannten „Lärmtagen“: es ist richtig, dass Strecken Tage mit gelockerten Lärmauflagen haben. Diese Tage sind aber für Veranstaltungen von besonderem Interesse (z.B. MotoGP, F1, DTM, Konzerte, Historic-Events …) reserviert. Diese Lärmtage sind sehr rar und werden von der Strecke nur für Veranstaltungen vergeben, die unter den normalen Lärmauflagen nicht durchgeführt werden könnten.

 
Welche Lärmauflagen gibt es?

Es werden grundsätzlich zwei Dinge unterschieden: die Lärmobergrenze und das Lärmkontingent.

Die Lärmobergrenze benennt eine maximale Lautstärke, die nicht überschritten werden darf. Strecken mit einer Lärmauflage verfügen immer über Messpunkte, an denen der Lärmpegel dynamisch (d.h. in Vorbeifahrt) gemessen wird. Dieser Wert kann außerdem bei jedem Fahrzeug statisch gemessen werden. Wie das gemacht wird, steht weiter unten. Wird diese Obergrenze nicht überschritten, ist alles in Ordnung!

Das Lärmkontingent ist eine sehr viel heiklere Auflage. Es gibt vor, wie viel Lärm insgesamt pro Tag produziert werden darf. Die Einhaltung dieser Vorgabe ist sehr viel schwieriger und hängt von sehr vielen Faktoren ab (auch von solchen, die wir gar nicht beeinflussen können wie z.B. dem Wetter oder erhöhten Hintergrundgeräuschen von z.B. Baustellen). Es kann passieren, dass – obwohl die Lärmobergrenze nicht überschritten wurde – das Lärmkontingent vor Ende des Tages aufgebraucht ist und der Fahrbetrieb beendet werden muss! Daher wird bei Strecken mit Lärmkontingent besonders auf die Einhaltung der individuellen Lärmobergrenze geachtet. Teilweise sind auch besondere technische Maßnahmen (siehe Info zum Sachsenring, unten) oder sogar eine angepasste Fahrweise erforderlich!

Welche Auspuffanlagen gibt es eigentlich?

Bei Auspuffanlagen wird unterschieden zwischen Originalauspuffanlage und Zubehöranlage.

Die Originalauspuffanlage ist die Anlage, mit der das Fahrzeug vom Hersteller ausgeliefert wurde. Dabei handelt es sich in aller Regel um einen Stahl- oder Edelstahlanlage (evtl. mit Vorschalldämpfer) die nach dem „Reflexionsprinzip“ arbeitet und in aller Regel wartungsfrei ist. Ein db-Killer ist bauartbedingt nicht vorgesehen und auch nicht nötig (Ausnahmen siehe unten: Originalauspuff und trotzdem zu laut). Es kommt vor, dass Fahrzeughersteller ab Werk einen Zubehörendtopf montieren – das gilt nicht als Original- sondern natürlich als Zubehörendtopf!

Eine Zubehöranlage hingegen stammt von einem Anbieter, der sich auf den Bau von Auspuffanlagen für eine Vielzahl unterschiedlicher Motorräder spezialisiert hat. Der Fokus liegt auf Gewichtsreduzierung und Leistungssteigerung. Diese Endschalldämpfer haben oft eine Titan- oder Kohlefaserhülle, arbeiten nach dem „Absorptionsprinzip“ und müssen regelmäßig gewartet werden, da sie mit der Zeit lauter werden. Die Endtöpfe sind bei entsprechendem Volumen sehr effektiv und bei bestimmten Fahrzeugen sogar leiser, als der Originalauspuff! Zubehörendtöpfe bieten in aller Regel die Möglichkeit, einen db-Killer zu montieren.

Originalauspuff – und trotzdem zu laut!

Leider nutzen einige Fahrzeughersteller bei der Homologation ihrer Motorräder Lücken in der Gesetzgebung, so dass bestimmte Fahrzeuge zwar legal auf der Straße bewegt werden dürfen, für die Rennstrecke – auf der andere Messverfahren gelten – aber zu laut sind. Konkret haben wir mit folgenden Fahrzeugen Erfahrungswerte gesammelt:

  • Aprilia V4Modelle (ab 2009)
  • BMW HP4 (ab 2015)
  • BMW S1000RR (ab 2016)
  • Ducati Panigale
  • Honda CBR 1000 RR(ab 2017)
  • KTM RC8 (außer den Modellen mit zwei Endtöpfen)
  • Suzuki GSXR 1000 (ab 2017)
  • Yamaha R1M (ab 2016)

Solltest du eines dieser Fahrzeuge auf einer Strecke mit Lärmbeschränkung einsetzen wollen – ruf uns bitte im Vorfeld an, damit wir das im Detail besprechen können!

db-Killer-Pflicht

Manche Strecken schreiben die Benutzung eines db-Killers vor – das betrifft natürlich nur Zubehörauspuffanlagen! Originalauspuffanlagen sind von der db-Killer-Pflicht immer ausgenommen!
Auf Strecken, bei denen sich eine Verschärfung der Lärmauflagen abzeichnet oder ein Lärmkontingent einzuhalten ist, hat Speer Racing von sich aus eine db-Killer-Pflicht eingeführt, um das Lärmniveau insgesamt zu senken.

Verhaltenstipps
Vor allem auf Strecken mit einem knappen Lärmkontingent oder bei Motorrädern, die bereits ab Werk – also im Originalzustand – sehr laut sind hilft oft nur ein angepasstes Fahrverhalten:

  • Frühzeitiges Hochschalten, um nicht in voller Drehzahl am Messpunkt vorbei zu fahren (Wo der liegt? Verrät dir der Veranstalter!)
  • Verzicht auf den Schaltautomat, um einen „Schaltknall“ zu vermeiden

Das kann aber immer nur eine Notlösung sein, bis technische Abhilfe, z.B. durch einen anderen Schalldämpfer, geschaffen wurde, insofern das möglich ist!

Statisches Messverfahren zur Ermittlung der individuellen Lautstärke

Gemessen wird die Lautstärke nach der DMSB-Nahfeldmethode:
Das Messgerät wird in einem Winkel von 45° und einem Abstand von 50 cm zum Auspuffende platziert. Die Messung erfolgt bei einer konstanten Drehzahl, die ca. 60 % der Nenndrehzahl des Motorrads entspricht. Als Anhaltspunkt, welche Drehzahl bei welchem Motorrad Anwendung findet, dient folgende Übersicht:

Bauart/HubraumDrehzahl
2 Zyl./bis 850 ccm5.500 U/min
2 Zyl./über 850 ccm5.000 U/min
3 Zyl./bis 675 ccm7.000 U/min
3 Zyl./über 675 ccm5.500 U/min
4 Zyl./bis 600 ccm7.000 U/min
4 Zyl./bis 750 ccm6.500 U/min
4 Zyl./über 750 ccm6.000 U/min


Die Erfahrung zeigt, dass Fahrzeuge, die nach dieser Methode statisch gemessen wurden, in aller Regel auch die von der Strecke vorgenommene dynamische Messung in Vorbeifahrt bestehen.
Allerdings sind die Messwerte –sowohl statisch als auch dynamisch – von Umweltparametern abhängig: Je nach Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit kann der Messwerte beim selben Fahrzeug um +/- 3db variieren!
Daher gilt: Lieber auf Nummer sicher gehen und unter der Lärmobergrenze bleiben!

Übersicht Strecken
Strecke
Obergrenze
Kontingent
Bemerkung
Anneau du Rhin100XMessung durch die Strecke
Bilsterberg98Jadb-Killer-Pflicht, Messung durch Speer Racing
Bresse95XMessung durch die Strecke
Hockenheim98Xdb-Killer-Pflicht, Messung durch Speer Racing
Most102Xdb-Killer-Pflicht, Messung durch Speer Racing
Nürburgring98Xdb-Killer-Pflicht, Messung durch Speer Racing
Oschersleben102XFahrgeräuschmessung durch die Strecke
SachsenringOriginalauspuffJa*Einlass- und Auslassseite Original! Bitte Hinweise unten beachten!
TuttlingenStVOXNur strassenzugelassene Fahrzeuge zulässig!

 
Auf Strecken, bei denen keine Lärmauflage vorgegeben ist, gilt bei Speer Racing grundsätzlich eine individuelle Lärmobergrenze von 107db – damit wollen wir Exzesse, wie z.B. Fahren ohne Schalldämpfer oder ohne Auspuff, verhindern!

Sachsenring

Auf dem Sachsenring sind nur Motorräder zulässig, die einlass- und auslassseitig absolut serienmäßig sind: Serienairbox, Serienluftfilter, Serienkrümmeranlage, Serienendtopf. Nicht zulässig sind sämtliche Zubehörauspuffanlagen.

Folgende Fahrzeuge sind auch im Originalzustand so laut, dass ein Einsatz am Sachsenring schwierig ist:

  • Aprilia RSV 4 (ab 2009)
  • Aprilia Tuono V4 (ab 2009)
  • Honda CBR1000RR (ab 2017)
  • BMW S1000RR (ab 2016)
  • BMW HP4 (ab 2015)
  • Yamaha R1 (ab 2016)
  • Suzuki GSXR 1000 (ab 2017)

Der Sachsenring stellt spezielle „Lärmleitsysteme“ leihweise und kostenlos zur Verfügung, die unbedingt montiert werden müssen. Nur dann ist eine Teilnahme überhaupt möglich!

Solltest Du eines der genannten Fahrzeuge – natürlich im Originalzustand – am Sachsenring einsetzen wollen, achte bitte darauf, dass bei deiner Anmeldung das Motorrad korrekt eingegeben wurde - wir geben eine Fahrzeugliste an den Sachsenring weiter, dieser stellt dir dann das entsprechende „Lärmleitsystem“ vor Ort kostenlos zur Verfügung!

Unsere partner

Für alle, die nicht gerne bis zur nächsten Veranstaltung warten, gibt’s unsere Speer Racing Artikel auch online – jetzt, hier und sofort.